Testamentsauslegung nach dem Willensprinzip (favor testamenti)
Bei unklaren Formulierungen in eigenhändigen Testamenten gilt das Willensprinzip: Massgebend ist der wirkliche Wille des Erblassers im Zeitpunkt der Errichtung; öffentliche Beurkundung verhindert kostspielige Auslegungsprozesse.
Typische Streitpunkte bei eigenhändigen Testamenten
In der juristischen Fachliteratur (Jusletter / Weblaw) wird regelmässig aufgezeigt, dass eigenhändige Testamente oft juristische Begriffe wie „Erbeinsetzung“, „Vermächtnis (Legat)“, „Nutzniessung“ oder „Vorerbschaft/Nacherbschaft“ verwechseln.
Vorrang des wirklichen Erblasserwillens
Nach dem erbrechtlichen Willensprinzip (Art. 18 OR analog i.V.m. Art. 469 ZGB) sucht das Gericht zwar nach dem mutmasslichen wirklichen Willen der verstorbenen Person – bis ein solches Verfahren jedoch abgeschlossen ist, bleibt der Nachlass oft jahrelang blockiert.
Bedeutung für die Praxis
In letztwilligen Verfügungen und Erbverträgen ist strikt zwischen einer Erbeinsetzung (Art. 483 ZGB, Stellung als Mitglied der Erbengemeinschaft mit Solidarhaftung) und einem Vermächtnis/Legat (Art. 484 ZGB, rein obligatorischer Herausgabeanspruch) zu unterscheiden, um Auslegungsstreitigkeiten und Verzögerungen bei der Ausstellung der Erbbescheinigung zu vermeiden.